fbpx

Wieso Firmen Influencer Marketing nicht verstehen

Influencer Marketing ist der heilige Gral im Online Marketing – oder doch nicht?

Ich bin seit 6 Jahren Bloggerin auf Fashionlunch. Man könnte meinen, ich bin Bloggerin der ersten Stunde. Damals nur ein Hobby ist es heute schon ein Job für mich geworden. Ein Job, der sich rentiert, da bin ich ehrlich. Allerdings auch nur, wenn eine Firma weiß, wie man mit Influencern umgeht – und das ist leider kaum der Fall. Das liegen viele Fehler auf der Marketing-Seite – aber eben auch bei uns, den Influencern.

Entweder du hattest Glück, Geld oder einfach keine Moral

Hört sich böse an, ist aber die Wahrheit: In Deutschland gibt es höchstens 5 Influencer im typischen “Influencer-Bereich”, die es von sich aus geschafft haben, bekannt zu werden. Mir fällt tatsächlich niemand ein, aber ich kenne sicher nicht alle. Die meisten sind bekannt geworden durch Fernsehshows wie Germanys next Topmodel oder Shopping Queen. Eine Zeit lang Fernsehen und du hast alle Chancen darauf, Influencer zu werden. Ohne, dass du überhaupt eine Ahnung davon hast, was Content ist: Gute Texte, gute Fotos. Nichts. Die Leute kennen einen durch das Fernsehen und das wars. Wenn man dann noch zweimal am Tag Fotos von sich selbst hockend vor beschmierten Hauseingängen in Kreuzberg oder Neukölln postet, ist man ein Star. Durch was? Keine Ahnung, hauptsache die Zahlen stimmen.

Ähnlich ist es mit den Leuten, die nicht im Fernsehen waren: Diese haben sich dann an die Leute gehangen, die im Fernsehen waren und eben diesen Ruhm mitgenossen. Oder im großen Stil Follower gekauft 2013, 2014, wo noch niemand geguckt hat. Auf die gekaufte Reichweite hat sich dann echte und virale Reichweite aufgebaut – weil man damals noch Accounts gefolgt ist, die viele Follower hatten, weil “die können dann sicher was”.

Man darf dabei nicht vergessen, dass es nicht sehr viele Leute gibt, die sich wirklich mit Instagram und Marketing auskennen. Hier in Berlin vergisst man das oft, weil hier jeder “irgendwas mit Medien” macht, aber deutschlandweit sieht das schon anders aus. Die Leute haben Jobs, Familie, Kinder und gucken sich abends dann ein paar Bilder an von Leuten, denen sie folgen, weil sie “nette Bilder und viele Follower haben”. Kurzum: Es ist super einfach gewesen, sich eine Reichweite aufzubauen, wenn man nur früh genug getrickst hat. Die meisten Accounts mit 100K aufwärts haben sich einfach fleißig zu 20,30,40K gekauft. Das waren früher noch riesige Zahlen. Ich weiß noch, dass ich 2015 die 10K angestrebt hatte und dachte, ab dann wird alles einfach. Wird es nicht. Auch nicht ab 20K. Wer hat heute schon keine 20K mehr? Sobald du die ganze Zeit kommentierst und bei anderen Accounts likest, wächst du. Nicht wegen Talent, aber wegen Fleiß. Und genau das reicht den Firmen. Und genau das ist der Fehler.

Zahlen sind nicht so wichtig – tatsächlich stimmt das

Es ist natürlich relevant, ob du 1000 oder 10.000 Follower hast. Allerdings ist es irrelevant, wenn du 10.000 Follower hast und das Engagement der 1000 höher ist als das deiner 10.000. Es ist klar, dass – je mehr Follower du hast – deine Like-Follower-Ratio kleiner wird. Je größer der Account, desto niedriger die Interaktion. Allerdings ist es schon verwunderlich, wenn ein Account mit 35K nur 150 Likes pro Bild hat. Oder diese auf einmal auf konstant 500 Likes pro Bild gewachsen sind, weil die ein oder andere App da nachhilft.

Wichtig ist das Engagement. Eine richtige Konversation zwischen dem Follower und dem Blogger. Community Management ist das A und O, wenn man ein Influencer ist. Vor allem, wenn man einen Influencer für ein Produkt werben lassen will. Denn wer kauft am Ende dieses Produkt von seinem Influencer? Derjenige, der immer nur “Wow, amazing!!!” unter einen Post schreibt oder derjenige, der sich als “Freundin von Nebenan” fühlt? Klar.

Content ist King – aber noch mehr Interaktion.

Und, entschuldigung, ihr lieben Influencer: Hört auf, euch so aufzuspielen. Ohne eure Follower hättet ihr keinen Wert auf diesem Markt. Ihr hättet schlichtweg den gesamten Job nicht. Deswegen brecht ihr euch keinen Zacken aus der Krone, auf die Frage “Woher hast du die Hose?” auch mal zu antworten. Und wenn ihr es zeitlich nicht schafft, dann stellt jemanden ein, der für euch Community Management bereibt. Das ist einfach das A und O.

Rechts sieht man gut, dass dieser Account nur “Bullshit Follower” hat. Irrelevante Kommentare, die nur Spam sind. Links hingegen sind Kommentare, die ich auf meinem Instagram Account kriege, wenn ich zb einen literarischen Text schreibe (ich habe Literatur studiert und eine Schwäche für Poesie 😉 ). Diese Kommentare sind auf mich persönlich abgestimmt und relevant. Man sieht, dass die Follower auch wirklich Follower sind und sich für mich und meinen Content interessieren.

Weniger ist mehr – wenn es echt ist

Also, bitte, liebe Firmen: Schaut euch das Engagement an. Nicht nur die Zahlen der Likes, Follower oder Kommentare, sondern auch die Qualität der Kommentare. Wenn beispielsweise bei einem Bild auch immer wieder nur steht: “Toll siehst du aus, tolle Jacke, schöne Jacke, wow – die Jacke!” kann man ebenfalls davon ausgehen, dass die Kommentare nicht echt sind. Sie sind zwar von echten Menschen mit echten Accounts, allerdings stammen diese dann nur aus Kommentiergruppen, die sich gegenseitig pushen. An sich ist daran nichts verkehrt, wo es ja vor allem um Engagement geht. Allerdings sollte man sich dann die Mühe machen und sich wirklich nur in Gruppen zusammentun mit Leuten, dessen Content einen wirklich interessiert und wo man sich die Mühe gibt, echte und interessierte Kommentare zu schreiben.

Weniger ist mehr: Wenn es echt ist.

Header Foto von Toni Hukkanen via Unsplash

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.